Zwischen uns ist in letzter Zeit etwas entstanden, das schwerer wiegt, als ich zunächst wahrhaben wollte. Nicht der Streit selbst beschäftigt mich, sondern die Distanz, die danach geblieben ist. Dieses vorsichtige Schweigen, das dort entstanden ist, wo sonst Vertrautheit war.
Ich habe oft über unsere letzten Worte nachgedacht. Nicht, um Schuld zu verteilen, sondern um zu verstehen, an welcher Stelle wir aufgehört haben, einander wirklich zuzuhören. Vielleicht wollte ich zu sehr erklären, was in mir vorging, und habe dabei übersehen, was in Dir vorging. Dafür möchte ich Verantwortung übernehmen.
Es fällt mir nicht schwer, meinen Stolz beiseitezulegen, wenn ich an uns denke. Denn was wir miteinander teilen, bedeutet mir zu viel, um es an verletzten Momenten scheitern zu lassen. Ich weiß, dass Nähe nicht darin besteht, immer derselben Meinung zu sein. Sie zeigt sich vielmehr darin, ob zwei Menschen bereit sind, trotz ihrer Unterschiede wieder aufeinander zuzugehen.
Ich vermisse nicht nur Deine Worte, sondern auch diese besondere Ruhe, die zwischen uns entstehen konnte. Die Selbstverständlichkeit, verstanden zu werden, ohne jedes Gefühl erklären zu müssen. Vielleicht merkt man erst in der Distanz, wie wertvoll solche Nähe wirklich ist.
Ich wünsche mir keine schnelle Versöhnung aus Bequemlichkeit. Ich wünsche mir ein ehrliches Wiederfinden. Ein Gespräch ohne Verteidigung, ohne alte Vorwürfe, ohne den Wunsch, Recht zu behalten. Nur mit der Bereitschaft, den anderen wieder wirklich zu sehen.
Wenn Liebe etwas bedeutet, dann vielleicht genau das: den Mut zu haben, trotz Verletzungen die Hand auszustrecken. Und genau das tue ich heute.
Nicht, weil alles leicht war. Sondern weil Du mir wichtig bist.
